Saturday, June 9. 2007
Reporterin Gitta Grashorn beobachtete einen der beiden Haupteingänge:
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15:30 Uhr
Zwei Schilder lehnen kopfüber an der Wand: "Halle überfüllt." Griffbereit für die Kirchentagshelfer in Pfadfinderkluft. Vereinzelt gehen Besucher in die Halle.
Vor dem Eingang, im überdachten Boulevard der Messe, pulken sich Kirchentagsbesucher um einen Posaunenchor. Er übertönt alle anderen Geräusche. "Wir spielen für Sie! Po-Chöre aus Oberfranken" steht handgemalt auf dem T-Shirt der Dirigentin. Die meisten Zuhörer stehen. Direkt vor dem Chor sitzen eine Frau und zwei kleine Mädchen auf Kirchentagspapphockern. Das jüngste mit dem Rücken zur Musik. Sie beobachtet die Umstehenden. Daneben ein dicker Mann auf einem Campinghocker, zwanzig Zentimeter hoch. Eine Frau liegt mit dem Rücken auf dem Boden, den Kopf mit überkreuzten Armen auf einem Rucksack gestützt.
Ein Drei-Käse-Hoch geht nah an die Spieler ran, knabbert an seiner Tüte Eis. Der kleine Junge betrachtet die Blasinstrumente, an denen bunte Bänder der Regionen hängen, auch mal ein Kirchentagsschal.
Ein Mann im beigen Anzug hastet von links durchs Bild. Von rechts schieben sich vier Männer mit einem Konzertpiano hinter den Stehenden vorbei. Dahinter folgen zwei Pfadfinder mit versilberten Verstärker-Koffern auf Sackkarren.
Am Halleneingang setzt sich ein zweiter Helfer auf einen Packhocker, hält seinem Kumpel eine Tüte Billy Back hin. Der zieht sich ein Croissant raus. Beide mümmeln vor sich hin.
15:30 Uhr

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Saturday, June 9. 2007
Reporterin Karin Doblander beobachtete einen der beiden Haupteingänge:
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15:30 Uhr
Applaus. Ganz weit hinten in der Halle. Die Worte des Redners hallen lange nach. Kein Wort zu verstehen. Die Helferin starrt Löcher in den Boden. Sie dreht sich eine feine Strähne aus ihren langen braunen Haaren. Eine Passantin fragt nach dem Gepa-Stand in Halle 7. Eine Handbewegung, "da hinten". Die Helferin träumt weiter. Grüppchen von mal zwei, mal drei Besuchern schlurfen herein, auf bunten Flip-Flops und Sandalen. Orange Schals überall. Rechts sitzen zwei Helfer gebannt über Zeitschriften. Der eine futtert Prinzenrolle. Bröselt auf sein Hemd. der andere verziert ein Foto des Kölner Doms mit Kugelschreiber. Eine Pfadfinderin in ledernen Hotpants fetzt mit dem Roller vorbei. Zwei weißhaarige Männer, die sich zum verwechseln ähnlich sehen, verlassen plaudernd die Halle.
15:35 Uhr

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Saturday, June 9. 2007
Reporterin Cornelia Kästner hat den Eingang i beobachtet:
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15:30 Uhr
Die drei Pfadfinderinnen haben ihre Stühle in ein Dreieck gestellt und die Füße auf Papphocker gelegt. Zwei lösen Kreuzworträtsel. Auf der Rückseite des Papiers erkennt man die Buchstaben „Helferdepe“. Die dritte liest. Ein Pfadfinder mit grünem Hemd kommt mit dem Roller durch die Tür gefahren. Danach eine ältere Frau mit roter Bluse, sie läuft Richtung Podium. Eins der Mädchen steht auf und sagt etwas. Die zweite antwortet: „Solange die da nicht sitzen...stehen dürfen die ja. Sonst müssen wir halt hingehen.“ Eine Frau mit dunkelblauem Kinderwagen fährt aus der Halle auf die Tür zu. Im Wagen schläft ein Baby. Sie bleibt in der Tür stehen, und fährt dann wieder zurück. Ein Mann mit schwarzer Mappe und Funkgerät kommt herein, dann ein junger Mann, er nestelt an der Brusttasche seines Hemdes. Eine Mutter mit zwei kleinen Mädchen, beide haben ein Helfertuch umgebunden. Die Größere bleibt kurz stehen und rückt an ihrem Tuch. Zwei Mädchen mit T-Shirts: „Gekommen um zu bleiben“. Ein Mann mit einer Saftflasche in jeder Hand. Ein Mann mit beigefarbenen Bundfaltenhosen, gestreiftem Hemd und oranger Tasche kommt von außen und bleibt in der Tür stehen. Er raucht. Nach einer Weile geht er wieder. Der Rauch bleibt. Ein Mann mit Anzug und roter Krawatte rennt vorbei und schaut dabei auf sein Handy. Die Mutter mit dem blauen Kinderwagen kommt wieder. Diesmal geht sie hinaus.
15:35 Uhr

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Saturday, June 9. 2007
Reporter Alexander Wragge stand am Eingang D der Halle 7:
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15:30 Uhr
Chaos neben Eingang D. Helfer geben an einem Tisch Übersetzungsgeräte aus; der Andrang ist groß. Zwei weißhaarige Männer in Holzfällerhemden recken ihre Köpfe aus der wartenden Menschentraube. Frage: „Warum dauert das so lange?" Antwort: „Wir haben keine Kopfhörer mehr". Währenddessen spricht Suvarna Gandham über die Gestaltung der Globalisierung. Auf zwar auf Englisch
Hinter den Wartenden vorbei fährt ein Junge auf seinem Roller durch die Halle. „Judas du Petze!" steht auf seinem T-Shirt. Er hält vor der Glastür und schaut hinaus. Draußen wird das Podium auf einem Großbildschirm übertragen. Der Junge dreht sich kurz zur Bühne um und geht raus.
Ein Helfer mit Funkgerät am Gürtel bringt mit einer Sackkarre Metallkisten zur Übersetzungsgeräteausgabe. Die weißhaarigen Männer recken sich, um zu sehen, was drin ist. Es sind Kopfhörer.
Draußen wächst die Menge vor der Großbildschirm. Auch vier alte Damen eilen hinaus zur Videoübertragung. Ihre Papphocker nehmen sie mit.
15:35 Uhr

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Saturday, June 9. 2007
Reporterin Karin Tröger stand hinten in der Halle 7 auf dem Euregio-Marktplatz mit Ausstellungsständen:
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15:30 Uhr
Zoom Schweizer Pavillion: Ein Mann spricht über die Schweizer Reformation, beugt sich über den Tresen des Standes. Nebenan ein Wald mit Stelen. Kunst? Eine aufgespießte Wurst ragt aus einer Säule.
Schwenk Vertretung der Slowakei: Ein Frauenkreis sitzt hinter einer Litfass-Säule. Sie murmeln. Slowakisch?
Schwenk Niederlande: Es läuft ein Film über Gewächshäuser.
Zoom Hugenotten: Deko mit schnapsgefüllten Eiffeltürmen.
Schwenk Italien: Ein junges Pärchen bedruckt T-Shirts mit Pinsel und Korkstempeln. Zwei Belgierinnen preisen ihren Sprachtest an: Kirche, Auto, Haus auf Deutsch, Französisch, Belgisch.
Schwenk Polen: Rote Klöppelherzen als Zierde, ein älterer Herr spricht zu den fünf Damen des Standpersonals.
Zurück zur Schweiz: Jetzt studiert eine Frau mit Papierhut die Inschriften der Stelen.
Kaffeetassen klappern und ein Posaunenchor schallt von draußen.
Köhler? Übertönt.
15:35 Uhr

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Saturday, June 9. 2007
Reporterin Nana Heidhues war im Café Plus Trans Fair, gleich hinter den letzten Sitzreihen der Halle 7:
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15:30 Uhr
Meterhohe Fotos von Kaffeebohnen und bunt gekleideten Menschen in grünen Reisfeldern zieren die Stellwände. Dicht gedrängt stehen Korbstühle, dazwischen runde Tische mit weißen Plastiktischdecken. Horst Köhlers schwäbischer Dialekt hallt durch den Saal, vermischt sich mit Geschirrklappern und dem Zischen der Kaffeemaschine.
Ein schwergewichtiger Herr in kurzer Hose und gestreiftem Hemd schiebt sich durch das Labyrinth von Stuhlbeinen und Taschen. Vor dem Bauch balanciert er ein Plastiktablett, darauf vier Kaffeetassen. „Wir sollten nicht jedes Jahr das Rad neu erfinden!“ ruft Köhler ins Mikrofon. Applaus. Der Herr bleibt stehen, dreht sich Richtung Bühne. Sein roter Rucksack streift eine der mannshohen Palmen, die den Cafébereich säumen. Sie schwankt bedrohlich. Mit einer Hand greift er nach dem Grün, das Tablett in der anderen gerät in Schieflage. Die Tassen rutschen Richtung Tablettrand, eine weiße Papierserviette segelt zu Boden. Hastig greift er nach einer Tasse, der Kaffee schwappt ihm aufs Hemd. „Mist!“ knurrt er. „Denken wir an die Milleniumsziele!“ ruft Köhler. Applaus.
15:35 Uhr

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Saturday, June 9. 2007
Reporterin Ute Zauft saß ganz hinten im Publikum:
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15:30 Uhr
Der Rücken im karierten Hemd vor ihr bewegt sich nach links. Sie lehnt ihren Oberkörper nach rechts, reckt den Hals, schiebt das Kinn in Richtung Bühne. Der Rücken bewegt sich zurück. Sie lehnt sich schnell wieder in die Gegenrichtung. Der Kopf ist leicht gedreht, so dass ein Ohr näher an der Bühne ist. Sie ist fast hundert Meter entfernt. Ihr Oberkörper ist vorgebeugt, mit den Händen stützt sie sich auf den Knien ab. Leichte Gewichtsverlagerung nach hinten: Die Hände reiben über die Knie. Sie hebt den rechten Fuß vorne, dann hinten; linker Fuß hinten, dann vorne. Die Fußnägel in den Sandalen mit Klettverschluss wurden vor längerer Zeit orange lackiert. Ihre Hände greifen zur Plastikhülle, die um ihren Hals hängt. Sie kneten die Hülle, streichen über die Ränder. Plötzlich nickt sie mehrmals. Der graue Ansatz unter dem kurz geschnitten Haar wird für Sekunden sichtbar. Dann führt sie die Handflächen vor der Brust zusammen, verharrt…, klatscht. Nach fünf schnellen Schlägen legt sie ihre Hände wieder auf die Knie, beugt sich nach vorne.
15:35 Uhr

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Saturday, June 9. 2007
Reporter Philipp Graf, mitten im Publikum:
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15:30 Uhr
Drei Reihen hinter dem Mischpult bekommt der Drache seinen ersten Flügel. Die Schülerin mit den angen schwarzen Haaren und Brille hat den Hals zur Seite gelegt, kritzelt mit Bleistift Fabelwesen mit getuschten Frauen-Augen. Die Frau mit den Pausbacken und roten Haaren in Reihe zwei tippt an den tasten auf dem Übersetzer-gerät V3280 herum. Den Kopfhörer um den Hals. Vorne wird sowieso deutsche gesprochen. Ihr Partner mit dem roten bart, mächtiger Bauch, kramt ein Stück Weißbrot aus seinem Rucksack und beginnt zu kauen. Das Handy mit dem schottischen Dudel-Ton liegt still neben ihm. Sie trommelt mit dem Daumen auf dem Papphocker. Daneben stützt sich ein Mann, weinrotes T-Shirt, oranger Kirchentagsschal, leicht nach vor, schaut konzentriert auf den Boden. Seine Frau genau so. Applaus in der Halle. Das rote Pärchen klatscht heftig. In Reihe drei hat der Drache seinen zweiten Flügel.
15:35 Uhr

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Saturday, June 9. 2007
Reporterin Ulrike Linzer sass in der ersten Reihe:
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15:30 Uhr
"Ey, hinsetzen!" Fotografen unter sich. Die Kollegin war kurz vom Papphocker aufgestanden, um ein Foto von Bundespräsident Horst Köhler zu machen. Sie dreht sich um. Ihre Augen funkeln. Böse. Dann zischt sie ihren Kollegen an und setzt sich wieder. Inzwischen hat sich ein anderer Fotograf ganz nach vorn an die Absperrung gedrängt. Er trägt blauen Nadelstreifen-Anzug, dazu lederne Stiefel. Mit ihm kommt ein intensiver Parfum-Duft. Seine langen, streng frisierten, Haaren wirft er bei jeder Kopfbewegung schwungvoll zurück. Breitbeinig und breitschultrig steht er dort. Fotografiert mit einem Riesen-Objektiv. Den Blick aufs Podium verstellt er für zwei Minuten. Dann wrift er wieder die Haare zurück und stolziert davon. Auf dem Podium sagt derweil der Reeder Peter Krämer: "Auch Journalisten sind ja lernfähig."
15:35 Uhr

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Saturday, June 9. 2007
Reporterin Anja Schlender hatte einen einzigartigen Blickwinkel auf den Bereich vor dem Podium:
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15:30 Uhr
Die Neugierigen stehen vor der Absperrung am Bühnenrand. Sie wollen Köhler sehen und verstellen dabei den Fluchtweg. Kirchentagshelferin Anna erkennt das Problem. Streng schaut sie durch ihre Brille, steht auf und verlässt den abgesperrten Bereich. Die Im-Weg-Steher verscheuchen. Widerwillig gehen die Leute, und Anna kehrt auf ihren Posten zurück. Da setzt sich ein älterer Mann auf die Erhebung neben dem Bühnen-Eingang. „Ist das nervig“, stöhnt Anna, rollt mit den Augen und geht wieder los, um den Eindringling zu vertreiben. Ihr Blick schweift zu den Kollegen. Die sitzen auf Papphockern und gucken zur Bühne. „Sagt mal, solltet Ihr nicht das Publikum im Blick behalten?“, fragt sie. Ertappt drehen sich die Angesprochenen weg. Da kommt ein Mann mit einer Fernsehkamera und stellt das Stativ vor das Absperrband. Mitten im Fluchtweg. „Das sind die schlimmsten“, sagt Anna laut. „Diese Pressefuzzis sind total arrogant und denken, sie können alle herum kommandieren.“
15:35 Uhr

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Saturday, June 9. 2007
Wo Reporterin Lena Gürtler genau stand, verraten wir nicht. Aber sie hatte einen einzigartigen Blickwinkel zum Podium und nennt ihre Beobachtungen eine "Choreographie in vier Posen":
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15:30 Uhr
Ob er die Reden seines Chefs schon auswendig kennt? Der Bodyguard verzieht keine Miene als der Bundespräsident anfängt, über Mikrokredite zu sprechen. Der Leibwächter steht am rechten Bühnenrand. Links von ihm Absperrung. Vor ihm: Hunderte erwartungsvolle Blicke, die sich auf Deutschlands höchsten Staatsmann richten.
Der Sicherheitsmann hat einen Standpunkt und vier Posen:
Position eins: Arme hinter dem Rücken verschränkt wie beim Spaziergehen. Dabei hin und wieder Verlagerung des Standbeins. Von links nach rechts nach links. Der Bundespräsident doziert über China und Afrika.
Position zwei: Abwehrhaltung. Arme vor der Brust gekreuzt. Sein Kopf ruckt nach links. Ein Kameramann hat sich gerade auf einem Podest neben dem Sperrseil in Stellung gebracht.
Position drei: Hängende Arme, vor dem Körper gefaltete Hände. Er lächelt kurz einem Pfadfinder zu. Zupft mit der linken Hand am Anzugkragen. Dann schweift der Blick wieder ins Publikum.
Position vier: Der Denker. Rechter Arm stützt den Kopf. Der Bundespräsident redet über Globalisierung. Der Bodyguard zupft die blaue Jackettjacke. Und es geht von vorn los. Position eins.
15:35 Uhr

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